Es ist noch garnicht so lange her und doch ist es Heute für viele unvorstellbar. Es gab noch keine Handys, kein Internet, keine Maschinen und nichts, was wir in unserer heutigen Zeit so lieb gewonnen haben. Autos waren gerade erst erfunden und auch der erste, motorisierte Flug fand damals statt. Man lebte noch 'im Einklang mit der Natur' und jeder hatte das vorrangige Tagesziel, die Familie satt zu bekommen. Fast jeder betrieb damals Landwirtschaft und musste ohne die Hilfe von Maschinen und Traktoren von dem leben, was seine Hände Arbeit an Lebensmittel erzeugten. Wir sprechen von der Zeit um das Jahr 1900, als die Menschen lernten, dass sie gemeinsam mehr erreichen und sich in div. Vereine zusammen schlossen.

Es war eine Zeit, in der viele Kinder geboren wurden (im Durchschnitt knapp 30 Kinder jährlich) von denen ein großer Teil (über ein Drittel) die ersten Jahre nicht überlebte. Die Kinder wurden damals noch als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft gebraucht und es stellte sich die Frage, wohin mit den Kleinkindern, die noch nicht mit anpacken können. Im Nachbardorf Kleinwenkheim gab es eine 'Kleinkinderbewahranstalt', welche Kinder aus Großwenkheim zu Fuß aufsuchten. Das war natürlich auf Dauer nicht tragbar und so gründeten am 03. März 1903 in Großwenkheim 165 interessierte, weitblickende Bürger unter dem Vorsitz von Pfarrer Gügel einen "Anstalts-Verein". Nach dessen Satzung war es seine Aufgabe, „durch ordentliche Mitgliedsbeiträge, freiwillige Gaben oder Schenkungen für möglichst viele Geldmittel zur geplanten Erbauung und Unterhaltung einer 'Kleinkinderbewahranstalt' zu sorgen.

Als Vorstandschaft des Vereins „Kleinkinderbewahranstalt Großwenkheim“ waren am 18. Februar 1904 im Vereinsregister folgende Personen beim kgl. Landgericht i. Mü eingetragen:

  1. Josef Gügel, Pfr.
  2. Martin Gehring, Bgmstr.
  3. Franz Josef Ziegler, Bauer
  4. Christian Ziegler, Bauer
  5. Hieronymus Geßner, Bauer
  6. Augustin Blumm, Bauer
  7. Alexander Dannhäuser, Schneider

In dieser Zeit startete der Verein mit einem Beitrag von 10 Pfennige/mtl. und konnte nach anfänglichem zögern doch nach und nach erhebliche Mittel zusammen bringen. Für ein benötigtes Gebäude stellt die Gemeinde Bauholz aus dem Gemeindewald im Wert von 642,50 Mark unentgeltlich zur Verfügung. Hinzu kamen erhebliche Spenden der aus Großwenkheim stammenden Geistlichen sowie Geldzuwendungen vieler, ungenannter Bürger im Gesamtwert von 6.648,00 Mark, welche im Vorsommer des Jahres 1911 den Baubeginn ermöglichte.

Gebaut wurde das stattliche Haus nach den Plänen des Architekten Rudolf Hofmann von Würzburg, dem die Vorstandschaft auch die Bauleitung übertragen hatte. Die Baukosten bezifferten sich laut Kostenvoranschlag wie folgt:

Erdarbeiten
284,40 Mark
Maurer- u. Steinhauerarb.
6.913,92 Mark
Zement- u. Terrazzo.Arbeiten
969,10 Mark
Zimmerarbeiten
4.747,18 Mark
Spengler- und Dachdeckerarbeiten
1.643,26 Mark
Verputz- u. Anstricharb.
2.510,04 Mark
Schlosserarbeiten
453,70 Mark
Diverses: Öfen usw.
1.552,15 Mark
Gesamtkosten:
21.800,00 Mark

Die Geschäftsleute waren:
Das Klostergut Bildhausen lieferte Backsteine, das Tausend zu 30,00 Mark. Das Gebäude steht auf dem Vereins-Grundstück. Waser wurde aus einem neugebohrten 12m tiefen Brunnen mit einem Pumpwerk in das Haus geleitet.

Am 28. Mai 1911 schloss der Vorstand zusammen mit dem Nachfolgepfarrer Karl Zimmermann zwischen dem St. Johannes-Zweigverein Großwenkheim und dem Mutterhaus der Töchter vom hl. Erlöser in Würzburg einen Vertrag, die Leitung der Kinderbewahranstalt, der Arbeitsschule und die Besorgung der ambulanten Krankenpflege in der Gemeinde zu übernehmen. In der klosteraufsichtlichen Genehmigung des Kgl. bayer. Staatsministerium des Innern für Kirche- und Schulangelegenheiten vom 3.10.1911 bezüglich der berufenen Ordensschwestern wurde vermerkt: „Die Vorstandschaft des Vereins Kleinkinderbewahranstalt Grw. ist darauf aufmerksam zu machen, daß beim Auftreten ansteckender Krankheiten die Krankenschwester vom Verkehr mit der anderen Schwerster und den dieser anvertrauten Kindern sich abzuschließen hat und daß von den Schwestern, die zur Verhütung der Weiterverbreitung der Krankheit getroffenen amtsärztlichen Anordnungen zu beachten sind!

Am 24./25. Oktober 1911 fand die feierliche Weihe und Inbetriebnahme des zunächst außen noch unverputzten Gebäudes sowie die Einführung der drei Ordenschwestern statt. Ab da besorgten die Schwestern auch die Kirchenwäsche und veranstalteten gernbesuchte Theaterspiele. Als Erziehungs- und Unterrichtsanstalt wurde die Kleinkinderbewahranstalt mit Beschluß des Kgl. BZ Kissingen v. 20.11.1911 polizeilich genehmigt. 1912 wird der Spielplatz und Gemüsegarten der Anstalt mit einer 2 m hohen Backsteinmauer von 25 cm Stärke umfriedet, an der Hauptstraße vorn ein eiserner Sicherheitszaun errichtet und die offenen Seiten ebenfalls mit einer 2 m hohen Backsteinmauer geschlossen.

Nach einer Aufstellung von Pfr. Zimmermann am 12.6.1911 erblickten vom Mai 1905 bis September 1909 125 Kinder das Licht der Welt, von denen 1911 bereits 46 gestorben waren, so daß nur noch 79 Kinder für den Anstaltsbesuch in Betracht kamen. Am 15. August 1911 erklärten sich die Eltern von 54 Kindern bereit, ihre Kinder in die Kinderbewahranstalt zu schicken. Eine weitere Satzung v. 20.8.1911 legte u. a. fest: „Zweck der Kinderbewahranstalt ist, die Kinder, welche ihr übergeben werden, vor den Gefahren des Leibes und der Seele zu bewahren, sie zu beaufsichtigen und durch passende Spiele und Unterhaltungen ihre leibliche und geistige Entwicklung fördern zu helfen“.

Zunächst waren es also Ordensschwestern, in deren Obhut die Kinder gegeben wurden.



Großwenkheim war ein fruchtbares Dorf und da im Laufe der Zeit die Kindersterblichkeit zurück ging, wuchs die Anzahl der Kinder enorm an. In Spitzenzeiten hatte eine Ordensschwester bis zu 50 Kinder zu beaufsichtigen. Bei unserem heutigen Personalschlüsselsystem würde man in dieser Situation 'die Hände über den Kopf zusammen schlagen'.



Nach dem zweiten Weltkrieg am 20. September 1954 wird unter Pfr. Kunzmann der Kindergartenträger umbenannt in „St. Elisabeth-Verein Großwenkheim“. Dieser schloß 1955 mit der Kongregation der Töchter des Allerheiligsten Erlösers in Würzburg einen neuen Vertrag über die Tätigkeit der Ordensschwestern.

Im Laufe der Jahre gelang es der Kirche nicht, genügend junge Frauen für ein Leben als Ordensschwester zu gewinnen. Diesem Umstand und der Tatsache geschuldet, dass verstärkt individuelle frühkindliche Kindererziehung gefordert wurde, führte dazu, dass verstärkt Erzieherinen benötigt wurden. Die letze Ordensschwester verlies den Kindergarten im Jahr 1988. Seit dem wird unser Nachwuchs von ausgebildeten Fachkräften in der Erziehung gefördert.




Neben den üblichen Unterhaltungsmassnahmen wurden folgende Renovierungen und Verbesserungen am Gebäude durchgeführt:

1964
Einbau einer Ölheizung mit 5 Ölöfen. Die Gemeinde gewährte einen Zuschuß von 1000,00 DM. Ein neues Hoftor wurde angebracht.
1969
Der Kindergartenboden wurde durch Filzbelag erneuert.
1971
Erneuerung sämtlicher Fenster. Fußboden in der Küche und drei Haustüren wurden erneuert. Einbau eines neuen Öltanks und ein Ambulanzzimmer wurde hergerichtet.
1972
Ein neuer Ölherd für die Küche und ein neuer Wohnzimmerschrank wurde gekauft.
1973
Es gab einen neuen Kühlschrank. Für die Außenrenovierung des ganzen Gebäudes steuerte die Stadt Münnerstadt 3000,00 DM bei. Bei der Generalversammlung des „Elisabethen-Vereines“ dankt Pfarrer Kempf den drei Schwestern für ihre Tätigkeit in der Pfarrgemeinde und den vielen freiwilligen Mithelfern und den 156 Familien als Mitglieder des Vereins.
1983
Erneuert wurden der Bodenbelag in der Küche und der Spielhof wurde gepflastet.
2008
Das Gebäude wurde in einen Mehrgenerationenhaus umfunktioniert und der Zugang barrierefrei gestalltet. Der Sicherheitszaun zur Strasse hin wurde durch einen Zaun mit Metallgitterstäben ersetzt.